Hintergrundbild Beton Profilfoto Header Thomas Verasani am 29. November 2020 Gemeinsam weiterkommen. in den Stadtrat von Bern Was mir wichtig ist: Arbeitsplätze erhalten Bern soll das Gewerbe sinnvoll unterstützen, damit Arbeits- und Ausbildungsplätze trotz Corona erhalten bleiben.
 Bern schrittweise digitalisieren
 Bürokratische Abläufe sollen konsequent vereinfacht
 und digitalisiert werden. Platz für Innovation Bern benötigt «Platz für Innovation», um die Technologien für die Stadt von morgen zu testen. Liste 12 Kand.-Nr. 12777

Bildung im Zeitalter der vierten industriellen Revolution

Im Zeitalter der Industrie 4.0 bzw. der Digitalisierung wird viel über Bildung geredet. Ein Grossteil der Diskutierenden ist sich in folgenden Punkten einig:

  • Bildung ist ein wichtiger Faktor im aktuellen Zeitalter.
  • Bildung ist (vermutlich) wichtiger denn je.
  • Bildung ist ein Schlüsselfaktor.

Über was wollen wir bezüglich Bildung genau reden?

Reden wir – wie aktuell üblich – über „Digitalisierte Bildung“, so reden wir über Hilfsmittel, die man im Unterricht auch noch einsetzen könnte. Wir reden darüber, was man im Unterricht auch noch alles einbauen könnte. Wir reden darüber, dass alle Schüler Programmieren lernen sollten, dass MINT-Fächer gefördert werden sollten oder dass noch mehr Fach-, Handlungs-, Selbst- und soziale Kompetenzen irgendwie in das bestehende System rein gemacht werden müssen.

Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert

Zu diesem Blumenstrauss von guten «Vorsätzen» gibt es die meist an Lehrer gerichteten gute Ratschläge (Liste nicht abschliessend):

  • Konzentrieren Sie sich auf die wichtigen Grundlagen!
  • Bringen Sie doch den Schülerinnen und Schüler bei, dass sie einen bestimmten Sachverhalt in einem Modell abstrahiert und darstellen können um daraus zu lernen.
  • Nutzen Sie doch Office-Software im Unterricht.
  • Lassen die Schülerinnen und Schüler eigenständig Fortschrittskontrolle betreiben.
  • Machen Sie doch Kooperationen mit Privaten, um den Einzug der Informatik in den Unterricht nicht übermässig zu strapazieren.
  • Öffnen Sie das Schulzimmer.
  • Vergessen Sie die Soft Skills nicht!

Und eine, die sich dann doch noch an die die Pädagogischen Hochschulen richtet (ohne, dass Geld dazu vom Auftraggeber gesprochen wird):

  • Vermitteln Sie die digitalen Kompetenzen an die Lehrkräfte.

Als wäre das nicht schon genug: da sind ja noch die minimal zu vermittelnden 4‘500 Lernziele aus dem Lehrplan 21. Diese sind so frei formuliert, dass eigentlich alle obigen Themen hinein interpretiert werden könnten. In Kombination mit der vorhandenen Infrastruktur im Klassenzimmer oder im Schulhaus und den finanziellen Verhältnissen der entsprechenden Gemeinden entsteht so ein Umfeld, bei welchem ich mich manchmal Frage:

Wie schaffen es Lehrpersonen, nicht die Freude an ihrer Arbeit zu verlieren?

In allen Branchen reduzieren die Mitarbeiter wo möglich die Arbeitszeiten. Angeblich immer nur wegen Work-Life-Balance.

Hört man den Menschen etwas genauer zu, könnte man manchmal folgende Aussagen heraus hören:

Das Ganze wird zu viel. Arbeitszeiten, Arbeitswege, Arbeitslast und dann hätte man noch Familie/Partner zu Hause.

Esel, der einen überladenen Ahänger versucht zu ziehen.

Die Informatikindustrie hat vor sehr langer Zeit agile Entwicklungsmethoden kreiert. Ich behaupte, dass dies unter anderem auch geschehen ist, um den Ball an die vielen Stakeholder zurück spielen zu können. In einem agilen Manifest hat man festgehalten, was wichtiger ist als die viele Bürokratie.

Bildung im Zeitalter der vierten industriellen Revolution

Obiges Kapitel ist natürlich überspitzt formuliert und soll folgendes visualisieren: Das aktuelle Bildungssystem ist End of Life. Es hat uns eine Zeitlang sehr gute Dienst erwiesen. Wir stossen langsam an die Grenzen des Machbaren und Optimierung wird uns wohl nicht wesentlich weiter bringen.

Was für ein Bildungssystem benötigen wir eigentlich?

Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir kurz den Blick in die Vergangenheit werfen. Waren in der Vergangenheit Werte wie Betragen, Ordnung und Fleiss wichtig, sind diese Fähigkeiten künftig nicht mehr gleich wichtig. Werte wie verhandeln, vernetzen, Empathie, Sinn für Erfolg, Dinge vorantreiben, andere motivieren oder Kommunikation müssten die neue Grundlage sein für ein zeitgemässes Bildungssystem.

Ein zeitgemässes Bildungssystem würde z.B. Lernmethoden wie «gehirngerechtes Lernen» nach Birkenbihl in einer hohen Selbstverständlichkeit anwenden. Anstatt 4’500 Lernziele über 9 Jahre zu vermitteln, hätte man eine Art «Steine im Fluss», mit deren Hilfe man sein Wissen laufend erweitern kann. Einerseits würde das System eine Lerntiefe z.B. nach folgendem Modell unterstützen:

  • Phase des Trainings
  • Phase des Coachings
  • Phase des Mentorings

Andererseits würde das System auch eine Lernbreite anbieten, also Themen, die man entdecken möchte. Da man gleichzeitig ein Wissensnetz aufbaut, wird lernen laufend einfacher.

Das System würde den Schülern eine Lernlust vermitteln. Nicht die Lerngeschwindigkeit ist wichtig, sondern die Lust am lebenslangen Lernen.

Wie Sie feststellen, beschreibe ich eine Möglichkeit, wie ein künftiges Bildungssystem im Groben aussehen könnte. Es handelt sich nicht um ein fertiges Konzept.

Frachtschiff

Mögliches Bildungsziel

Wir müssen uns wieder bewusst werden, warum wir Bildung überhaupt betreiben wollen und für wen wir Bildung betreiben. Aufbauend auf dieses Bewusstsein könnte man in der aktuellen Welt das Bildungsziel wie folgt beschreiben:

MotivVerhaltenZiel
Schüler kann nichts.Schüler muss lernen.Schüler erfüllt die Lernziele.

In einer Welt von Fabrikarbeitern und Angestellten mag dieses Vorgehen noch OK sein. Der Schüler verlässt die obligatorische Schulzeit mit einem genormten Minimalwissen.

Wie könnte ein Bildungsziel aussehen in einer Welt, in der wir nicht genau wissen, was alles auf uns zukommt? Wie müsste man es formulieren, um auf ein Zeitalter der Digitalisierung vorbereitet zu sein?

Ein Versuch:

MotivVerhaltenZiel
Schüler will grundsätzlich neue Dinge Lernen. ?Schüler kann sich dank lebenslangem Lernen gut im Zeitalter der vierten industriellen Revolution bewegen und fühlt sich nicht überfordert.

Sie stellen fest: Ich habe noch keine Antwort auf die Frage, wie ein künftiges Bildungssystem aussehen müsste. Man könnte mögliche Lösungsansätze aus dem nächsten Kapitel erarbeiten. Motiv und Ziel haben sich bereits wesentlich verändert.

Mögliches Bildungsmanifest

In der agilen Softwareentwicklung hat man sich bereits im Jahr 2001 Gedanken dazu gemacht, was denn für die Softwareentwicklung die Werte der Zukunft sein könnten. Auffallend an diesem Manifest ist, dass nicht gesagt wird, dass es etwas nicht braucht, sondern dass man auf gewisse Werte mehr Gewicht legt als auf andere.

Ein Versuch:

Freude am Lehren und Lernenist wichtiger, alsNoten.
Die Lust zum Forschen und Entdeckenist wichtiger, als4’500 Lernziele.
Lernfortschrittist wichtiger, alsLerngeschwindigkeit.
Verantwortung tragen (für sich, für Andere oder für eine Sache)ist wichtiger, alsder Beste zu sein.

Bildungsmanifeste gibt es in der Zwischenzeit einige. Die gefundenen Manifeste bauen allerdings nicht auf dieses einfache Schema auf. So führt man beispielsweise lieber Diskussionen zur Frage, ob Noten sinnvoll sind oder nicht. Damit kann man sich zwar beschäftigen, kommt aber nicht wirklich weiter im Thema.

Wie weiter

Könnte man Einigkeit finden zur neuen Zielsetzung, zu einem Bildungsmanifest oder generell zu diese Idee, könnte man sich Gedanken machen, wie man das umsetzen möchte. Auch hier finden sich mögliche Lösungsansätze in der agilen Softwareentwicklung. Als Beispiel sei hier das Modell SAFe® erwähnt.

Warum mache ich hierzu eine Adaption: Einerseits ist in diesem Modell ein laufendes Lernen vorgesehen (Neues Wissen lernen oder Selbstoptimierung), andererseits werden die Aufgaben klarer getrennt. Das Modell ist zudem auf grosse und kleine Organisationen adaptierbar. Wo Unterricht stattfinden wird, kann erahnt werden. Zudem wird ersichtlich, dass andere Bereiche ebenfalls Leistungen erbringen zu haben. Und es ist nicht egal, wenn diese nicht brauchbar ist. Es wird klarer, wer wo zu diskutieren hat und dass ohne Geld nicht viel läuft. Es wird nur soviel entgegengenommen, wie man auch abarbeiten kann. Dies, um Überlast aller Beteiligten zu vermeiden. Manche Teams sind schneller als andere und das ist OK so.

Adaptieren wir das Modell weiter auf die Arbeit von Lehrpersonen: Diese kann sich wieder voll und ganz auf das Lehren und Lernen konzentrieren. So vermittelt man einem Schüler eher die Fähigkeit oder ein Konzept, um Sprachen lernen als einen Auftrag zum Vokabel- und Grammatiktraining. Dies, weil es wichtiger ist, eine Technik zu trainieren als etwas zu büffeln.

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