Hintergrundbild Beton Profilfoto Header Thomas Verasani am 29. November 2020 Gemeinsam weiterkommen. in den Stadtrat von Bern Was mir wichtig ist: Arbeitsplätze erhalten Bern soll das Gewerbe sinnvoll unterstützen, damit Arbeits- und Ausbildungsplätze trotz Corona erhalten bleiben.
 Bern schrittweise digitalisieren
 Bürokratische Abläufe sollen konsequent vereinfacht
 und digitalisiert werden. Platz für Innovation Bern benötigt «Platz für Innovation», um die Technologien für die Stadt von morgen zu testen. Liste 12 Kand.-Nr. 12777

Wahltag ist Zahltag

Die Nationalratswahlen sind vorbei. Als braver Parteisoldat habe ich mich mit meiner Meinung während den Wahlen zurückgehalten.

Schweizweit hat die FDP ihren Wähleranteil von 16.4% auf 15.1% reduziert, obwohl noch vor einem Jahr ein Wachstum für die FDP prognostiziert wurde. Hatte die FDP im Jahr 2015 im Kanton Bern noch einen Wähleranteil von 9.3%, wurde der im 2019 um 0.9% auf 8.4% reduziert. Dabei ging die Wahlbeteiligung um 3.4% zurück und betrug diesmal 45.1%.

Allen Kandidierenden möchte ich für den Einsatz danken. Die Kandidierenden waren sehr engagiert und dank diesem Engagement konnte ein grösseres Debakel verhindert werden.

Was ist passiert? (M)ein Rückblick.

Fall «Maudet»

Politik ist nicht fair. Ungereimtheiten werden zum «falschen Zeitpunkt» thematisiert und treffen den falschen Fuss. Der Fall «Pierre Maudet» wurde Ende November 2018 in den Medien publik.

Es ist nicht der erste Skandal, den die FDP beschäftigt. Solche Skandale können jede Partei treffen. Ich kann mir selber kein Urteil über diesen Vorfall bilden; mir fehlen dazu Informationen.

In Krisenfällen wäre es ratsam, einen Krisenmanager zu rate zu ziehen, der einen durch diese stürmische Zeit führt. Im Wahljahr muss der Fokus auf Schadenbegrenzung liegen.

Es scheint, dass die FDP solchen Skandalen komplett schutzlos ausgeliefert ist. Über Monate wurde dies in den Medien thematisiert – ohne ein befriedigendes Resultat. Die Parteistrukturen sind nach diesem Vorfall noch immer nicht so eingerichtet, dass die FDP krisenresistenter wird.

Die FDP-Klimakrise

Mit «Wir sind keine klimafeindliche Partei» startete Frau Gössi quasi im Alleingang zum denkbar dümmsten Zeitpunkt eine parteiinterne Diskussion bezüglich einer Neuausrichtung. Es mag sein, dass sie der Wahlbarometer der SRG im Februar zu dieser Panikaktion bewegte.

Persönlich habe ich nichts gegen eine Neuausrichtung. Eine solche ist allerdings heikel und braucht viel Fingerspitzengefühl. Zudem wurde die Parteileitung über die Medien bezüglich dieses Gesinnungswandels informiert. Chaos und Panik brach aus; die Wählerbasis hat die Partei nicht mehr verstanden.

Ich habe – wie viele andere FDP-Mitglieder – versucht, intern die Wogen zu glätten. Nicht wenige Mitglieder fragten sich, ob sie noch in der richtigen Partei zu Hause sind.

In der Wirtschaft würde man bei einem solchen Richtungswechsel Profis an Bord holen und mit höchster Vorsicht agieren. Der im Internet kursierende Hashtag bringt den Unmut auf den Punkt: #DankeGössi

Danke, dass die viele und zeitaufwändige Parteiarbeit innert kurzer Zeit vernichtet wurde.

Auf Kernwerte besinnen

Ich bin der FDP beigetreten, um mich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Die FDP ist eine Wirtschaftspartei. Die Nähe zur Wirtschaft liegt in der DNA der Partei. Eine starke Wirtschaft sichert uns Arbeitsplätze und Wohlstand. Und dank dem Wohlstand kann sich die Schweiz weiterentwickeln.

Vermehrt musste ich lesen, dass man sich auf Diskussionen bezüglich Kapitalismus eingelassen hat. Die FDP und ihre Mitglieder stehen für eine soziale Marktwirtschaft ein. Wer die FDP als Kapitalisten-Partei bezeichnet weiss nicht, was Kapitalismus ist. Eine FDP würde es nicht so lange geben, wenn sie sich nicht entscheidend für den Aufbau, die Weiterentwicklung und den Erhalt einer sozialen Marktwirtschaft eingesetzt hätte.

Die Umwelt ist für die FDP und ihre Mitglieder wichtig. Die Behauptung, dass sich die FDP nicht für die Umwelt interessieren würde, ist Schwachsinn. Es mag sein, dass die Umfragen von Smartvote etc. ein anderes Bild ergeben. Das liegt allerdings daran, dass diese Meinungsmacher Lösungsvorschläge sammeln und ungefiltert bewerten bzw. Themen zuordnen.

Von der FDP gab es keine Lösungsvorschläge; die Partei war mit dem Abwenden von diesen NoSolutions beschäftigt. In den Sozialen Medien würde man solche NoSolutions als «trollen» bezeichnen. Die Partei war beschäftigt mit dem Abwenden von «Quasi-Verboten von Ölheizungen» oder mit unnötigen und somit unwirksamen weiteren Vorhaben.

Heisst dies automatisch, dass die FDP für Ölheizungen ist? Nein, natürlich nicht. Öl ist ein viel zu wertvoller Rohstoff, als dass man ihn einfach so verbrennen sollte. Allerdings hat man als Partei eine soziale Verantwortung: Wenn Sie nicht Familien oder Personen enteignen oder um ihre Existenz bringen wollen, tun Sie gut daran zuvor zu überlegen, welches Elend Sie mit solchen unüberlegten Massnahmen auslösen würden. Wie man solche menschenverachtende NoSolutions als links und umweltfreundlich einstufen kann, bleibt mir ein Rätsel.

Mein Fazit

Panik ist ein schlechter Ratgeber. Plötzliche Richtungsänderungen werden von einer grossen Wählerschaft nicht verstanden; die Quittung folgte prompt. Eine Partei muss zudem krisenrestistent organisiert sein (diesen Schwachpunkt haben m.E. alle Parteien). Die DNA der Partei muss erhalten bleiben. Es ist zudem zu prüfen, ob die Themen nicht mit einer Art «Balanced Scorecard» zu bewirtschaften sind, um nicht auf die Gefahr einer einseitigen Schwerpunktbildung hinein zu laufen (z.B. nur Wirtschaftsthemen zu bearbeiten).

Gelingt dies der Partei, können in vier Jahren nicht nur die Wahlverluste wett gemacht werden, man wird sich auch wieder auf Wachstumskurs befinden.

Zu guter Letzt: Auch in stürmischen Zeiten nicht den guten Humor verlieren: Emil: Der Wahlverlierer.

 


Ergänzung: 23.10.2019

Ich wurde über diverse Kanäle angefragt, ob die mangelhafte Kommunikation bezüglich der Klima-Politik vom Frühling tatsächlich verantwortlich sein könnte für den Einbruch. Dazu ein paar Beobachtungen:

  • Ich wurde innerhalb weniger Tage von rund 100 Personen über diverse Kanäle (Persönlich, Social Media, Messenger, usw.) kontaktiert, was mit der Partei los ist. Dies, obwohl ich selber nicht an einer exponierten Position bei der Partei tätig bin. Es handelte sich um Mitglieder, aber auch Sympathisanten/Wähler.
  • Ein Jahr vor den Wahlen wurde ein Wachstum von 1% prognostiziert.
  • Der Fehlerbereich lag zu diesem Zeitpunkt in einem Bereich, wo schlimmstenfalls ein Nullwachstum hätte erwartet werden können.
  • Im Juni 2019 wurde ein Null-Wachstum für die FDP prognostiziert.
  • Die Fehlerquote für die Umfrage betrug +/- 1.5%. Der Einbruch von 1.2% liegt somit im prognostizierten Range.
  • Der Einbruch geschah nicht in der heissen Phase, sondern zwischen Herbst 2018 und Frühling 2019.
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