Hintergrundbild Beton Profilfoto Header Thomas Verasani am 29. November 2020 Gemeinsam weiterkommen. in den Stadtrat von Bern Was mir wichtig ist: Arbeitsplätze erhalten Bern soll das Gewerbe sinnvoll unterstützen, damit Arbeits- und Ausbildungsplätze trotz Corona erhalten bleiben.
 Bern schrittweise digitalisieren
 Bürokratische Abläufe sollen konsequent vereinfacht
 und digitalisiert werden. Platz für Innovation Bern benötigt «Platz für Innovation», um die Technologien für die Stadt von morgen zu testen. Liste 12

Vorwort
Wir leben in einer stark vernetzten, sehr komplexen Welt, in der Menschen unterschiedliche Meinungen, Ansichten und Weltbilder haben. Ein friedliches Zusammenleben ist möglich, wenn wir uns dessen jeden Tag bewusst sind. Wir müssen in dieser Welt nicht immer gleicher Meinung sein.
In dieser Welt hat jede Form von Gewalt (sei es in Form von Rassismus, Hetze, sexuelle Übergriffen, Ausgrenzung, Erpressung usw) keinen Platz.

Zwischen Mut und Wahnsinn

Es war ein eigentlich unspektakulärer Mittwoch. Wegen des Corona-Virus arbeite ich von zu Hause aus. Es sind schwierige Zeiten für alle: die einen Menschen gehen unter in Arbeit, während andere kaum Arbeit haben. Diese schwierige Zeiten bringen viel Unsicherheit mit sich.

Irgendwann gegen Abend kommt eine Newsmeldung, welche mich schockiert: Die Firma «Migros» wirft den Lieferanten «Dubler» aus dem Sortiment. Der Vorwurf: Seine Produkte seien rassistisch.

Wir könnten darüber sinnieren, ob edle Produkte in bester Qualität und in edler plastikfreier Verpackung Rassismus und Hass schüren – oder ob es doch eher Menschen sind, die Hass verbreiten.

Wer gut ist, wird bemerkt

Man mag es als exzentrisch bezeichnen, wenn der Patron Robert Dubler in der zweiten Generation ein Produkt herstellt, welches unverändert in der Rezeptur und in der Verpackung seit der Firmengründung 1946 hergestellt wird. Die Website des Herstellers entspricht nicht der neusten Technologie und ist in einfachem HTML gehalten. Vermutlich hat der Hersteller nicht mal ein SAP-System, um seine Zutaten automatisch zu bestellen. Um die Produkte zu kaufen, braucht man Bargeld. Es gibt nur gerundete Preise. Rabattierung? Nein. Eine Marketing-Abteilung? Nein. Die älteste Mitarbeiterin ist 82 Jahre alt. Gemäss Firmenphilosophie darf kein Lieferant mehr als 10% Anteil des Umsatzes ausmachen. Rund 60% des Umsatzes wird direkt ab Fabrik verkauft. Eine Papier bezüglich einer Wachstumsstrategie sucht man auf der Website vergebens.

Merken Sie etwas? Dubler mag verstaubt, alt, untechnisch, verkorkst und unmodern sein. Die Firma Dubler steht für Konstanz. Ein Fels in der Brandung. Die produzierte Qualität kennt keine Qualitätsschwankungen. Seine Produkte enthalten keine Spuren von Haselnüsse, Mandeln oder anderen Schalenfrüchte. Sie enthalten keine Milchprodukte. Er ist stolz auf sein Produkt und will unter keinen Umständen etwas ändern.

Management by John Wayne

Erst schiessen, dann fragen. Das scheint die Philosophie der Grossisten wie z.B. Migros oder Manor zu sein. Erst schiessen, dann fragen: wie es einst John Wayne in seinen Filmen getan hat.

Wie viel Feingefühl diese Manager haben, erfährt man aus Diskussionen mit KMU-Betrieben, welche vom Grossisten für eine Zusammenarbeit angefragt wurden.

«Wir wollen von jeder umliegenden Bäckerei das Topprodukt in unserer Filiale anbieten.»

Ja; alles an einem Ort ist praktisch. Und nur das Beste an einem Ort ebenfalls. Schaut man etwas genauer auf das Angebot stellt man fest: Rosinenpickerei. Diese KMU sollten ihre Topprodukte abliefern und würden ihr Alleinstellungsmerkmal verlieren. Wozu sollte man noch in den kleinen Bäckerladen in der Gasse gehen? Die Migros hat ja alles.

Der Packt mit dem Teufel

Gerät man als Kleinbetrieb in diese Falle, ist man eigentlich verloren. Das beste Pferd im Stall ist verkauft und man hat nichts mehr zu bieten, was die Kunden ins eigene Geschäft locken könnten. Wie die Migros mit ihren Produzenten umgeht, können Sie an den Beispielen von Nivea, Mars, L’Oréal etc. sehen: Um Druck für Preisverhandlungen auszuüben, werden die Lieferanten kurzerhand aus dem Sortiment geschmissen.

Uns stört das in der Regel nicht so, weil diese grossen Produzenten weltweit tätig sind und daher bei Verhandlungen nicht ums Überleben kämpfen müssen. Diese Produzenten sind breit aufgestellt und haben eine grössere Marktstellung.

Unternehmen, die in einer hohen Abhängigkeit von diesem Grossisten stehen, verschwinden vom Markt, wenn sie so stark im Preis gedrückt werden, dass es sich nicht mehr rentiert. Erinnern Sie sich noch an die Dosenfabrik im Liebefeld?

Doppelmoral

Während Grossisten wie Manor oder Migros ihre Lieferanten einfach rausschmeissen um Druck auszuüben, lassen sie sich bei den Eigenproduktionen Zeit. So vertreibt die Migros noch immer ihre Budget-Moretti und erklärt dann bei Stellungsnahmen, dass sie nicht so schnell umstellen können. Dabei ist die Migros mit ihrer M-Budget-Linie wesentlich später in den Markt eingestiegen und hätte das Produkt gar nicht so benennen müssen. Wäre es dem Konzern wichtig, sprachlich neutrale Begriffe zu verwenden, hätte die Firma das Ganze besser getimed: Erst die eigenen Produkte anpassen, dann mit den Lieferanten reden, Lösungen vorschlagen und – falls man keine Lösung findet – sich vom Lieferanten trennen.

Grundsätzlich ist jede Firma frei, mit wem sie Geschäfte macht. Ich mag authentische Anbieter. Folgende diskriminierende Lebensmittel erhalten Sie weiterhin in Ihrer Migros: Zigeunersalat, Zigeunerschnitzel, Mohrenkopf.

Der Konzern hat daher nicht eine neue Moralvorstellung entdeckt. Er ist auch nicht zu einer Wortpolizei mutiert. Vielmehr fühlen sich ein paar Manager in der Ehre verletzt, weil ein Lieferant – vergleichbar mit dem gallischen Dorf in Asterix – sich nicht dem Diktat des Konzerns beugen muss. Robert Dubler verkauft sein bestes Pferd nicht.

Es ist mutig, für seine Werte einzustehen. Es ist wahnsinnig, seine eigenen Wertvorstellungen dabei nicht zu befolgen.

Sprache ist mächtig

Unsere Sprache ist ein sehr mächtiges Instrument. Je nachdem, wie wir sie anwenden, kann sie verletzen, diskriminieren und beeinflussen. Wir müssen uns dessen bewusst sein.

Studien konnten  aufzeigen, dass ein Sprachgebrauch, der nicht genderneutral ist, Frauen bei der Berufswahl beeinflusst. So ist es wichtig, Sprache möglichst positiv zu verwenden. Vielleicht wird ihre Tochter trotzdem nicht Astronautin oder Pilotin.

Mit viel Stolz und Leidenschaft einen Beruf auszüben, ist eine tolle Sache. Man kann einfache Dinge gut machen und sich von der Masse abheben. Jeder von uns kann das. Niemand hat das Recht, einen Menschen zu verletzen oder Geringschätzung auszudrücken; sei es, weil man die Tätigkeit selber nicht gerne ausführt oder sei es, weil man sich selber als etwas Besseres betrachtet. Wer andere Menschen erniedrigt, ist definitiv kein guter Menschen.

Persönlich denke ich, wir sollten Worte in der Gesellschaft nicht verbieten. Wir geben damit der Diskriminierung ein Gewicht, welche diese definitiv nicht verdient. Ein überlegter, sorgsamer Sprachgebrauch ist jedem zu empfehlen. Pflegen Sie daher Ihre Sprache.

Grenzen aufzeigen

Mit Interesse habe ich den Artikel «Eine Migros-Mitarbeiterin sagt, was sie vom «Mohrenkopf»-Entscheid hält» gelesen. Ja, Menschen können schlimm sein. Mich befremdet, dass die diskriminierende Person kein Hausverbot erhalten hat. Als Vorgesetzter steht man in der Pflicht, seine Mitarbeiter zu schützen. Es ist eigentlich egal bei welchem Akt der Gewalt. Hätte der Kunde eine sexuelle Anspielung gemacht mit einem Präservativ, dann nützt es nichts, diese Produktekategorie aus den Regalen zu verbannen.

Jede Firma und jeder Chef sollte sich gut überlegen, ob man diese Art von Gewalt in seinem Geschäft tolerieren will. Die Schlussfolgerung, die wir aus den Schriften des «Ethik des Glaubens» aus dem Jahr 1876 ziehen müssen: Jede Firma und jeder Chef macht sich mitschuldig, schützt er seine Angestellten nicht vor solchen Übergriffen.

Die Grossisten lenken vom eigentlich Problem ab und erfüllen nicht das, was man von seinem Arbeitgeber erwarten dürfte.

Kulinarisches Erbe der Schweiz

Ursprünglich hiess das Produkt «Othello» (In Anlehnung an das Stück von William Shakespeare «Othello, der Mohr von Venedig»). Der Begriff ist für die Bezeichnung des Produkts gänzlich verschwunden.

» Quelle

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